In den meisten religiösen Traditionen werden die Menschen nicht (nur) als Individuen angesehen, die in einer sie umgebenden Welt leben, und sowohl diese als auch sich selbst transzendieren, sodass sie einzeln mit transzendenten Wesen oder Kräften in Kontakt treten. Vielmehr werden die Menschen und ihre transzendierende Tätigkeit in der Regel als gemeinschaftlich geprägte Erscheinungen angesehen. Daher spielt die Gemeinschaft für das religigiöse Handeln, Erfahren und Denken eine zentrale Rolle und ist somit auch ein wichtiges Thema der Theologie,
In den sogenannten ethnischen Religionen sind Volks- oder Stammesgemeinschaft, Kulturgemeinnschaft und Religionsgemeinschaft im Wesentlichen identisch. In missionierenden Weltreligionen, die sich an alle Menschen unabhängig ihrer ethnischen Herkunft richten, ist diese Einheit so nicht gegeben. Aber auch hier haben religiöse Gemeinschaften wie der buddhistische Sangha oder christliche Kirche (Ekklesia) bzw. die islamische Umma als Gemeinschaft aller Gläubigen eine hohe theologische Bedeutung. Wieder andere religiöse Traditionen kennen keine klar abgegrenzten Religionsgemeinschaften mit einer klar definierten Zugehörigkeit. So können Menschen in vielen Regionen Ostasiens problemlos an verschiedenen religigiösen Traditionen partizipieren.
In vielen Religionen stellen auch die innere Struktur der Religionsgemeinschaft sowie die Abgrenzung gegenüber anderen Gemeinschaften wichtige religiöse Themen dar. So kann innerhalb der Gemeinschaft zwischen Amtsträgern und Laien, zwischen verschiedenen Ständen, zwischen den Geschlechtern, Generationen und Alterstufen religiös und theologisch unterschieden werden. Das Verhältnis zu Menschen, die nicht der eigenen Religionsgemeinschaft angehören, kann verschiedene Arten und Stufen der Abgrenzung aufweisen.