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    Plurale Theologie der Religionen

  1 Theorie der Religionen   2 Religionen in Geschichte und Gegenwart   3 Glaube, Ritual, Mythos: Formen des Transzendierens   4 Gott, Gottheiten, Göttliches   5 Helden, Halbgötter, Heilsgestalten   6 Menschenbilder   7 Weltbilder   8 Religiöse Gemeinschaften   9 Heilsvorstellungen   10 Ethik der Religionen

    3 Glaube, Ritual, Mythos: Formen des Transzendierens

      (Fundamentaltheologie)



Glaube, Ritual und Mythos stehen für die drei grundlegenden Arten und Weisen, wie Menschen sich selbst und die faktische Realität transzendieren: die rligiöse Erfahrung, das religiöse Verhalten und Handeln sowie die religiöse Kommunikation. Durch Glaube, Ritual und Mythos bringen Menschen religiöse Vorstellungen, Zeichen und Symbole hervor, verenden sie und geben sie weiter. Religiöses Erfahren, Verhalten und Kommunizieren bilden also die Grundlage der Religionen. Daher kann die theologische Beschätigung mit ihnen als Fundamentaltheologie bezeichnet werden.

Der Begriff "Glaube" bezeichnet die religiösen Erfahrungen, Gefühle und Einstellungen von Menschen zu dem, woran sie ihr Herz hängen und was sie unbedingt angeht. Es handelt sich dabei um das individuelle Erleben der religiösen Subjekte, ihre Religiosität. Entsprechend der Bestimmung "Worauf du un dein Herz hängst und verlässest, das ist dein Gott" M. Luther bedeutet glauben, sein Herz an etwas oder jemanden zu hägen. Dieser Glaube kann verschiedene Aspekte aufweisen wie Vertrauen, Hingabe, Ergriffensein, Zufluchtnahme oder Liebe. Glauben im religiösen Sinne ist etwas ganz anderes als vermuten oder für wahr halten. Dies ist bei der Bestimmung des Verhältnisses zwischen Glaube und Wissen zu beachten.

Die Bezeichnung "Ritual" oder Kultus umfasst alle religiöse Verhaltensweisen und Handlungen, mit denen Menschen ihrem Glauben Ausdruck verleihen. Kultische Handlungen, Rituale und Zeremonien können von Menschen allein oder in Gemeinschaft ausgeführt werden. Bei Ritualen handelt es sich um zeichenhafte, bedeutungsvolle Handlungen, die sich auf das Transzendieren und auf ein transzendiertes Gegenüber beziehen. Zu den rituellen Handlungen können zum Beispiel Verehrungsgesten, Opfer, gemeinsame Mahlzeiten, Tanz, Gesang, Meditation oder Gebet gehören. Bei all diesen Kultpraktiken handelt es sich symbolische Formen der Interaktion zwischen Menschen und transzendent vorgestellten Wesen oder Kräften. Sie bilden daher einen Aspekt der religiösen Kommunikation.

Mythos bezeichnet eine bedeutungsvolle, insbesondere religiöse Erzählung. Hier steht der Begriff etwas weiter für die verschiedenen Formen der religiösen Kommunikation. Kommunikation ist Interaktion mit Zeichen oder Symbolen und hat daher immmer einen intersubjektiven Charakter. Damit sind neben dem narrativen Mythos auch andere verbale Kommunikationsformen wie Anrufung, Mantra-Rezitation, Gebet oder Bekennntnis sowie im weiteren Sinnne auch Formen der nonverbalen Kommunikation wie Rituale gemeint. Die verbale Kommunikation kann sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen, kann sehr streng festgelegt und kanonisiert oder spontan und frei gestaltet sein. Die religiösen Vorstellungen können in der Kommunikation entweder nur implizit enthalten sein oder auch als explizite Theologie formuliert werden.



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